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Feuerwehrmagazin des Kreisfeuerwehrverbandes Saarpfalz

Datum: Mittwoch, 01. März 2006

Perfektes Zusammenspiel der Rettungsorganisationen

Zugunglück zwischen Niederwürzbach und Lautzkirchen verlief glimpflich

Mit dem Alarmstichwort „VERKEHRSUNFALL MIT PERSON GROSS“ alarmierte die HEZ am 27.07.2005 um 16.41 Uhr die Löschbezirke Blieskastel-Mitte und Niederwürzbach.
Gemeldet war eine Kollision eines Zuges mit einem Tieflader in der St. Ingberter Straße in Lautzkirchen. Die Einsatzkräfte aus den alarmierten Löschbezirken trafen kurze Zeit später gleichzeitig an der tatsächlichen Einsatzstelle, dem Bahnübergang „Breiter Mühle“ zwischen Niederwürzbach und Lautzkirchen ein.

Rückblick

Am Nachmittag des 27.07.2005 fuhr ein Tieflader einer saarländischen Speditionsgesellschaft zum Bahnübergang „Breiter Mühle“, um eine Baumaschine abzuholen, die neben den Gleisen abgestellt war. Kurz hinter dem beschrankten Bahnübergang macht die Straße eine Biegung, so dass der LKW-Fahrer rangieren musste. Dabei merkten die beiden Insassen zu spät, dass sich die Schranken des Bahnübergangs senkten und auf den Auflieger legten.
Der Tieflader stand somit mitten auf den Gleisen. Fahrer und Beifahrer verließen fluchtartig den LKW. Dabei verletzte sich der Fahrer am Fuß. Die Regionalbahn, die kurz zuvor den Bahnhof Würzbach in Richtung Pirmasens verlassen hatte, fuhr mit einer Geschwindigkeit von ca. 100 km/h auf den Bahnübergang zu.

Der Treibwagenführer leitete sofort die Notbremsung ein, als der Bahnübergang und der auf den Gleisen stehende Tieflader in sein Sichtfeld gelangten. Er sprang aus seinem Führerhaus und warnte die Fahrgäste im Zug mit den Worten: „Festhalten, gleich knallt’s!“.

Der Zug prallte mit ca. 43 km/h auf den Tieflader. Durch die Wucht des Aufpralls wurde die Zugmaschine vom Auflieger getrennt. Dieser wurde herumgerissen und prallte mit der Seite auf die rechte Triebwagenseite. Dabei platzten die Scheiben des Triebwagens. Nur wenige Meter hinter dem Bahnübergang kam der Zug zum stehen. Der Triebwagenführer forderte die Fahrgäste umgehend auf, den Zug zu verlassen.

Einsatzablauf

Um 16.35 Uhr geht bei der Rettungsleitstelle Winterberg der erste Notruf ein. Die Leitstelle alarmiert daraufhin den RTH „Christoph 16“ sowie die DRK-Rettungswachen St. Ingbert und Blieskastel. Die Besatzung des RTW aus Blieskastel trifft als erstes am Unfallort ein. Die erste Rückmeldung an die Leitstelle geht um 16.45 Uhr ein. Gemeldet werden zehn Schwerverletzte und 50 weitere Verletzte. „Diese Lagemeldung führt zu einem Großalarm“, berichtet das Rettungs-Magazin in seiner Ausgabe November/Dezember 2005.

Der Leitende Notarzt (LNA) sowie die Schnelleinsatzgruppen St. Ingbert und Homburg werden in Marsch gesetzt. Zusätzlich zu dem im Anflug befindlichen „Christoph 16“ werden die RTH „Christoph 10“ aus Wittlich, „Christoph 5“ aus Ludwigshafen sowie „Air Rescue 3“ aus Luxemburg alarmiert. Auch die Notarzteinsatzfahrzeuge aus Saarbrücken (ASB) und St. Ingbert (DRK) fahren die Einsatzstelle an.

„Christoph 16“ überflog den Unfallort und landete in unmittelbarer Nähe. Die Besatzung des RTH gab eine erneute Rückmeldung an die Rettungsleitstelle und meldete drei Mittel- bis Schwerverletzte. Daraufhin bestellte der Disponent alle weiteren RTH ab. Mittlerweile waren nämlich die Hubschrauber „Christoph 77“ aus Mainz, „Air Rescue 1 und 2“ aus Luxemburg, „Christoph 43“ aus Karlsruhe, zwei SAR-Hubschrauber aus Mendig sowie der Intensivtransporthubschrauber „Christoph 53“ mit Standort Mannheim auf „Stand by“ gesetzt worden. Die RTH Wittlich, Ludwigshafen und Luxemburg kehrten zu ihren Standorten zurück.

Mit dem LHF 16/25 aus Niederwürzbach und TLF 16/25 aus Blieskastel- Mitte trifft der Wehrführer, Wolfgang Nehlig, an der Einsatzstelle ein. Dieser übernahm die Einsatzleitung. Die Besatzung des RTW informierte die Feuerwehr, dass keine Personen eingeklemmt und 30 Verletzte zu erwarten sind.

Das LF 8/6 aus Niederwürzbach sowie weitere Fahrzeuge aus Blieskastel, ein RW2, ein weiteres TLF 16/25 sowie der RW-G, trafen ein und postierten sich hinter den anderen Einsatzfahrzeugen.

Wehrführer Nehlig teilte die Einsatzstelle in drei Schwerpunkte ein. Ein Abschnitt befasste sich mit dem Verletztentransport zur Sammelstelle und dem Auffangen von Betriebsstoffen an der Unfallstelle. Der nächsteAbschnitt unter Führung des stellvertretenden Wehrführers Werner Breier sorgte für die Ordnung des Einsatzraumes. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Landstraße L 111 fanden die Verletzten einen Sammelplatz auf schattigem Gelände mit Schnelleinsatzzelt vor. Dies war der dritte Einsatzabschnitt.

Im Zug selbst bot sich den Hilfskräften ein wüster Anblick. Glasscherben und Gepäckstücke lagen verstreut auf dem Boden. Aus dem Führerhaus ertönten laute Warnsignale, ausgelöst durch die Automatik, die auch die Notbremsung und die Bordelektronik kontrolliert.

Der Triebwagen blieb in den Gleisen. Die Feuerwehr sperrte die L 111 in Höhe des Bahnübergangs an der Abzweigung nach Alschbach und am Ortsausgang Niederwürzbach ab. Mit dem MZF des Lbz. Mitte wurden Getränke und Sitzbänke aus beiden Gerätehäusern für die Fahrgäste herbei geschafft.

Die Erfassung, Betreuung und Versorgung der verletzten und unverletzten Zuginsassen oblag den Rettungskräften des DRK und ASB. Mit weiteren RTW und KTW wurden die transportbedürftigen Verletzten, 13 an der Zahl, in die umliegenden Krankenhäuser gebracht. Davon wurden sechs Personen in die beiden Krankenhäuser in Zweibrücken, drei Fahrgäste in die Uniklinik Homburg, zwei in das Kreiskrankenhaus St. Ingbert sowie eine Person in das Klinikum Saarbrücken eingeliefert. Die auf dem Sammelplatz verbliebenen Fahrgäste betreute ein Notfallseelsorger. Später konnten sie mit einem Bus zum nächsten Bahnhof ihre Reise fortsetzen.

Die Kräfte der Polizei, Bundespolizei und die Ermittler des Eisenbahnbundesamtes waren neben dem DBNotfallmanager an der Unfallstelle. Die Feuerwehren leisteten Amtshilfe für die Polizei. So wurden Gepäckstücke und persönliche Gegenstände der Fahrgäste nahe der Sammelstelle zu einem Polizei-Fahrzeug gebracht und von der Polizei den Besitzern ausgehändigt.

Gegen 18.30 Uhr rückten die Kräfte der Feuerwehr wieder in ihre Standorte ein. Zuvor war die Einsatzstelle der Bundespolizei übergeben worden. 27 Feuerwehrleute aus dem Lbz. Mitte und 15 aus Niederwürzbach waren am Einsatzgeschehen beteiligt.

Im Gerätehaus Blieskastel-Mitte fand abschließend eine Besprechung zwischen den LNA, der Polizei, des DRK und der Feuerwehr statt. Man verglich die Liste der verletzten und unverletzten Personen und zog eine erste Bilanz des Einsatzes. Polizeilich wurden 31 verletzte Personen notiert. Dies sind Personen, die körperliche Beeinträchtigungen angaben. Insgesamt befanden sich 55 Fahrgäste in der Regionalbahn.

Bis zum darauf folgenden Morgen endeten die Züge aus Pirmasens in Zweibrücken und aus Saarbrücken im Bahnhof von Niederwürzbach. Zwischen beiden Stationen richtete die Deutsche Bahn AG einen Busnotverkehr ein. „Der fahrplanmäßige Zugverkehr wurde am nächsten Morgen wieder aufgenommen“, teilte die Pressestelle der DB in Frankfurt mit. Durch die beschädigte Signal- und Sicherungstechnik am Bahnübergang, der erst seit wenigen Monaten beschrankt war, ist dieser seither für den Straßenverkehr gesperrt.

Ursachenforschung

Die Bundespolizei wurde mit den Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft Saarbrücken beauftragt. Das Eisenbahn-Bundesamt als Aufsichtsund Genehmigungsbehörde des Bundes erstellte einen Unfallbericht. Demnach prallte wie bereits erwähnt der Triebwagen mit 43 km/h auf den Tieflader. Fahrer und Beifahrer reagierten erst bei der Fußgängerakustik. Des weiteren ermittelte das Eisenbahn-Bundesamt, dass der Unfall durch ein Verschulden des Straßenverkehrsteilnehmers ausgelöst wurde, vermutlich durch Unachtsamkeit. „Die Eisenbahnanlage funktionierte fehlerfrei“, teilte das Amt in Bonn mit.

Am Triebwagen der Baureihe VT 643 „Talent“ entstand ein Schaden von 700.000 Euro. Schäden am Gleis, an der Leit- und Sicherungstechnik (ca. 200.000 Euro) sowie am Tieflader lassen die Schadenssumme auf etwa 1 Million Euro ansteigen. Seit Anfang Oktober 2005 liegt der Ermittlungsbericht der Bundespolizei nun der Staatsanwaltschaft Saarbrücken vor.

Nachbetrachtung

In den darauf folgenden Tagen berichteten lokale Tageszeitungen und Boulevardblätter über das Ereignis. Bilder und Berichte wurden auch von den regionalen Fernsehanstalten gesendet. In der November/Dezember-Ausgabe des Rettungs-Magazins erschien ein Artikel zum Einsatz des Rettungsdienstes. Teilweise kritisch beleuchtete das Blatt die Geschehnisse vom 27.07.2005. Doch war auch nachzulesen, dass sich die Verantwortlichen positiv zum Einsatzgeschehen äußerten. Hier wurde insbesondere das Zusammenarbeiten der einzelnen Organisationen erwähnt. Rainer Buchmann, Leiter der Rettungsleitstelle Winterberg, äußerte sich in dem Bericht wie folgt: „Bei einem echten MANV (Massenanfall von Verletzten) in Niederwürzbach hätten wir das sowohl in der Leitstelle als auch vor Ort sicher bewältigt. (SW)






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