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Saarland

Datum: Samstag, 11. September 2004

Lebensretter im Stich gelassen

Feuerwehrmann stürzt im Einsatz, Versicherung zahlt nicht

Karlheinz Lang ist ein Feuerwehrmann mit Leib und Seele. In einem nächtlichen Einsatz stürzte er, eine Sehne am linken Knie riss ab. Die Unfallkasse will von einem Arbeitsunfall nichts wissen. Die Sehne sei vorgeschädigt gewesen. Der Retter fühlt sich im Stich gelassen.

Neunkirchen Karlheinz Lang (53) hat sein Hobby zum Beruf gemacht. „Ich bin Feuerwehrmann mit Leib und Seele“, sagt der gelernte Fräser und Maschinenbautechniker über sich selbst. Bei der Freiwilligen Feuerwehr im Neunkircher Stadtteil Münchwies ist Lang ehrenamtlich als Brandmeister dabei, wenn es gilt Leben zu retten, zu löschen und zu bergen. Beruflich ist der Retter seit 1979 als beamteter Oberbrandmeister in Diensten der Stadt Neunkirchen. Im Schichtdienst arbeitet er in der Alarmzentrale, koordiniert Rettungseinsätze. Lang hat 40 Jahre Erfahrung im Feuerwehrdienst. Bis zu jenem Schicksalstag am 18. Februar 2003 ging er auch mit schwerem Atemschutzgerät in brennende Häuser, um gegen die Flammen zu kämpfen. Damit ist es vorbei. Lang: „Selbst wenn ich noch könnte. Ich würde es nicht mehr machen. Ich fühle mich im Stich gelassen.

Immer noch Schmerzen

Das Meldegerät hatte Lang kurz vor Mitternacht am 18. Februar 2003 aus dem Bett geworfen. Ein Einfamilienhaus in Münchwies brannte lichterloh. Als Lang vor Ort eintraf, schlugen die Flammen drei Meter hoch aus dem Dach. Der Gruppenführer mit Spezialausbildung für schweren Atemschutz packte sich ein Pressluftatemgerät auf den Rücken, kämpfte sich in die Wohnung vor und löschte Brandherde ab. Auf dem Rückweg geschah es. Im Haus war wegen des Wasserdampfes nichts zu sehen. Zudem war das Sichtglas an der Atemmaske verschmutzt. An der Haustür rutschte Lang mit dem schweren Atemschutzgerät auf dem Rücken auf gefrorenem Löschwasser aus, stürzte und knallte mit dem linken Knie gegen einen am Boden liegenden Gegenstand. Seine Kollegen brachten ihn in die Klinik. Tage später wurde er operiert. Diagnose: Riss der Quadrizeps-Sehne. Diese Sehne verbindet die wichtigsten Oberschenkelstreckmuskel mit der Kniescheibe und führt zum Unterschenkel. Die Fortsetzung der Leidensgeschichte: Die Wunde vereiterte. Vier weitere Operationen folgten. Nach sechs Monaten konnte Lang wieder in den Innendienst. Heute, nach eineinhalb Jahren, hat er immer noch Schmerzen. Er kann das linke Bein nicht belasten und hinkt.

Mediziner streiten

Die Freiwillige Feuerwehr meldete den Unfall im Brandeinsatz bei der gesetzlichen Unfallkasse des Saarlandes. Dort sind alle Wehrleute versichert. Nach drei Monaten kam der „Bescheid über Ablehnung eines Arbeitsunfalles“. Die sinngemäße Begründung: Der Sehnenriss sei keine Unfallfolge, sondern „degenerativer Natur“. Dies soll heißen: Altersbedingt habe sich das Gewebe zurück entwickelt. Die Versicherung sagt, der Feuerwehrmann mit dem schweren Gerät auf dem Rücken sei ausgerutscht oder gestolpert, eben weil seine Sehne gerissen war. Diese Meinung vertritt auch der „beratende Arzt“ der Versicherung, ein Chef-Chirurg vom Klinikum Saarbrücken. Diese Mediziner- Kapazität hat aber offenbar nach Aktenlage entschieden. Patient Lang sagt jedenfalls: „Dieser Arzt hat mich nie gesehen.“ Den Prozess vor dem Sozialgericht hat Lang verloren. Ein Chirurg und Gutachter, der den Patienten tatsächlich untersucht hat, meint, der Sturz war Folge des Sehnenrisses, nicht die Ursache. Immerhin scheint unstreitig: Die Sehne am Knie des Feuerwehrmannes riss in einem Einsatz. Lang dazu: „Das ist pure Willkür. Wäre ich damals in meinem Bett geblieben, wäre mein Knie noch heil.“ Das Sozialgericht wollte einem zweiten Gutachten der Sportklinik Stuttgart nicht folgen. Diese Mediziner glauben, dass die Sehne durch den Sturz riss. Das Unfallopfer hat zwischenzeitlich Fachliteratur gewälzt und Expertenmeinungen entdeckt, wonach „Ausrutschen auf Glatteis“ sehr wohl ursächlich für die Durchtrennung der Quadrizepssehne sein kann. Damit will der Wehrmann in der zweiten Instanz vor dem Landessozialgericht argumentieren. Der Landesfeuerwehrverband gibt ihm Rechtsschutz. In Feuerwehrkreisen ist Langs Schicksal vom Sturz im Einsatz, der nicht als Dienstunfall akzeptiert wird, längst Gesprächsthema. Lang: „Ich kann ehrlicherweise keinem Kollegen über 50 Jahre mehr raten, mit schwerem Atemschutz in den Einsatz zu gehen. Das passiert auf eigenes Risiko, wenn er stürzt und die Sehne reißt. mju

Risiko für ältere Feuerwehrleute

Feuerwehrverband: Unfallkasse zahlt immer häufiger nicht

Saarbrücken. Die Unfallkasse zahlt bei Schadensfällen immer häufiger nicht. Dies stellt Detlef Köberling fest. Er ist Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes. Seine Organisation gewährt Feuerwehrmann Karlheinz Lang Rechtsschutz. Während eines Brandeinsatzes vor anderthalb Jahren riss eine Sehne in Langs rechtem Bein. Die Unfallkasse verweigert die Anerkennung als Dienstunfall. Dies hat laut Köberling noch weitere Forlgen: So habe Lang erst Anspruch auf zusätzliche Versicherungsleistungen des Verbandes, wenn ein Arbeitsunfall anerkannt sei. Köberling: „Wir werden uns wehren.“ Es könne nicht sein, dass die Feuerwehrleute im Regen stehen gelassen werden. „In Ordnung ist das nicht!“

Ein „gewisser Unsicherheitsfaktor“ sei zwar da, erinnert er an die Argumentation mit der altersbedingt vorgeschädigten Sehne. Doch „wenn ich dies auf die Spitze treiben würde, müsste ich jedem über 50 empfehlen, nicht mehr in den Einsatz zu gehen“, sagt der Verbandschef. Landesbrandinspekteur Bernd Becker verweist darauf, dass Feuerwehrmann Lang die ärztliche Tauglichkeitsprüfung für den Einsatz mit schwerem Atemschutz absolviert hatte. Dafür würden hohe Anforderungen an Gesundheit und Fitness gestellt. Becker erwartet, dass die Stadt Neunkirchen sich in dieser Auseinandersetzung „hinter ihren Feuerwehrmann stellt“.

Thomas Meiser, Vizechef der Unfallkasse des Saarlandes, will „aus Datenschutzgründen“ zu dem Einzelfall nichts sagen. Die Versicherung würde dem Rat von Medizinern folgen. Grundsätzlich gelte: „Unsere Feuerwehrleute sind mit ihrer Unfallkasse sehr zufrieden.“ mju

Hintergrund

Im Brandschutz Im Brandschutz setzen die saarländischen Kommunen auf Freiwillige Feuerwehren. Nach Angaben des Innenministeriums gibt es landesweit nur 168 Berufsfeuerwehrleute. Die Freiwilligen Feuerwehren haben 12284 aktive Mitglieder. Davon sind rund 1800 älter als 50 Jahre. 3992 junge Leute werden in den Jugendwehren ausgebildet. Bei Unfällen im Einsatz sowie auf dem Weg zu Übungen und Einsätzen sind die Wehrleute bei der Unfallkasse versichert. 327 Unfälle wurden im Jahr 2003 gemeldet. In 19 Fällen seien Leistungen verweigert worden. mju

Meinung

Prügelknabe im Ehrenamt

von sz-redakteur michael jungmann

Nein, es ist kein schlechter Witz, den sich Unfallkasse, Mediziner und Sozialrichter ausgedacht haben. Es ist traurige Realität. Ein ehrenamtlicher Wehrmann, der im Dienst der Allgemeinheit Leib und Leben riskierte, stürzte. Versicherung, zwei kluge Mediziner und Sozialrichter glauben zu wissen, er sei gestürzt, weil die altersbedingt vorgeschädigte Sehne gerissen war. Der Lebensretter und andere Ärzte sagen, die Sehne riss, weil er stürzte und nicht umgekehrt. Der Streit um diesen Unfall stellt den Verantwortlichen ein Armutszeugnis aus. Hier wird ein engagierter Retter zum Prügelknaben gemacht. Folgt man den Argumenten, dürften die erfahrensten Wehrleute – die sind in der Regel über 50 Jahre – nicht mehr Leben retten, weil auch ihre Sehnen schon älter sind. Und trotzdem, die Versicherungsleute, Mediziner und Juristen, die solche unverständlichen Entscheidungen vertreten, dürfen sicher sein: Wenn sie die Feuerwehr rufen, kommen ehrenamtliche Retter und riskieren ihr Leben, um zu helfen.






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